Philosophisch-fundierte emotions- fokussierte Kognitive Verhaltens- therapie
Klaus Grawe warb seit mindestens 1994 für eine so genannte “Allgemeine  Psychotherapie”, unter der er eine sich stets weiter entwickelnde,  wissenschaftlich fundierte Psychotherapie verstand, die sich in der Praxis  bewähren muss und jeglichen Schulendogmatismus überwunden hat. Wir  teilen diese Sichtweise und engagieren uns für diese Idee.   Eine Allgemeine Psychotherapie basiert auf einem in sich schlüssigen und  fundierten Modell der Störungsentstehung und -aufrechterhaltung und leitet  daraus klare Schritte der Behandlung ab. Es geht also nicht um ein  eklektisches, theorieunabhängiges Vorgehen, sondern um die fortlaufende  Integration der Ergebnisse der psychologischen und neurowissenschaftlichen  Grundlagenforschung, der Psychotherapieforschung und der angewandten  Psychotherapie. Grawe betonte immer, dass eine Allgemeine Psychotherapie  keine neue Therapieschule ist, sondern ein Prinzip, nach dem sich  professionelle Psychotherapeuten ausrichten! Die kognitiven Therapieverfahren nach Ellis, Beck, Meichenbaum, Lazarus und  anderen bieten eine gute Verbindung zwischen den klärungsorientierten  (psychodynamische Verfahren) und den bewältigungsorientierten (klassische  Verhaltenstherapie) Therapierichtungen und lösen die Widersprüche des  prinzipiellen Vorgehens (nicht der theoretischen Inhalte!) zwischen diesen auf. Die klassische Verhaltenstherapie hat in den 60er Jahren die kognitive Wende  erlebt und damit begonnen, interne nicht direkt beobachtbare Prozesse mit in  die Überlegungen einzubeziehen. Jetzt wird mittlerweile von der emotionalen  Wende gesprochen und motivationale, d.h. bedürfnisorientierte Aspekte  werden mehr in den Fokus gerückt. Da sich die kognitiven Therapien schon  immer in erster Linie mit emotionalen Problemen beschäftigt haben, steht ein  strukturiertes und Erfolg versprechendes Vorgehen bereits zur Verfügung. Dies  sollte einerseits durch die Weiterentwicklungen der modernen  Verhaltenstherapie und andererseits durch die bedürfnis- und  beziehungsorientierten Sicht- und Vorgehensweisen ergänzt werden. Die nun  als weitere Wenden bezeichneten achtsamkeits- und akzeptanzorientierten  Methoden und die schemaorientierten Vorgehensweisen sind keine echten  Neuerungen, jedoch liegen diese Methoden in sehr ausgearbeiter  differenzierter Form vor und lassen sich leicht in die KVT integrieren.     Die philosophischen Wurzeln der Kognitiven Therapie liegen in der (späten)  Stoa, die mit den Namen Seneka, Epiktet und Mark Aurel verbunden ist und  philosophische Lösungen für die existenziellen Probleme des Menschen  beinhaltet. Diese Philosophie kann Menschen befähigen, die so genannte  “Stoischen Ruhe” zu entwickeln. Yalom hat diese existenziellen Probleme in  seinem Buch Existentielle Psychotherapie umfassend ausgearbeitet. Die  existenziellen Probleme sind: Unvermeidlichkeit und Allgegenwärtigkeit des Todes Existenzielle Isolation Existenzielle Sinnlosigkeit Existenzielle Freiheit Wir zählen noch die “existenzielle Machtlosigkeit” zusätzlich dazu. Diese Probleme können aus den Grundbedürfnissen und den mit deren  Erfüllung zusammenhängenden Schwierigkeiten direkt abgeleitet werden.  Setzen wir dieses integrative Vorgehen in den Kontext der Schwierigkeiten der  menschlichen Existenz haben wir ein theoretisch fundiertes und praktisches  Konzept, das sowohl für PsychotherapeutInnen gut erlernbar und praktisch  umsetzbar als auch für die KlientInnen außerordentlich hilfreich ist:  Philosophisch fundierte bedürfnisorientierte Kognitive Verhaltenstherapie.  Zusammenfassung der wichtigsten Elemente: Unser menschliches Erleben und Verhalten wird von den bewussten und  unbewussten Bedeutungsgebungen geschaffen, wobei biologisch vorgeprägte  Schemata bestimmte Reaktions- und Erlebenstendenzen vorgeben. Motiviert  werden wir durch unsere Grundbedürfnisse, die wir stets versuchen zu erfüllen  und zu schützen. Den Stand der Bedürfniserfüllung mit den entsprechenden  Handlungsimpulsen nehmen wir über unsere Emotionen wahr. Wir bilden  Erfüllungsstrategien heraus, die mehr oder weniger erfolgreich sind, meistens  unter eher ungünstigen Bedingungen in der Kindheit. Die dabei sich  entwickelnden neuronalen Netzwerke und die entsprechenden durch  Wiederholung etablierten habituellen Schemata bestimmen unser weiteres  Erleben und Verhalten - im ungünstigen Fall mit gleichzeitiger erheblicher  Einengung unserer Wahlfreiheit. Wenn diese Schemata keine hinreichend gute  Bedürfniserfüllung oder Konfliktlösung im Erwachsenenalter bewirken, kann es  zu emotionalen Problemen und im weiteren Verlauf zu psychischen und  psychosomatischen Störungen kommen, die sich vom Konfliktgeschehen  abkoppeln und eine funktionelle Autonomie entwickeln können. Der  Unterschied zur orthodoxen Verhaltenstherapie ist der, dass hier nicht nur auf  die Beseitigung von psychischen Störungen fokussiert wird, sondern zusätzlich  auf die langfristige und nachhaltige Lösung zugrunde liegender emotionaler  und existenzieller Probleme.  Aus diesem Modell können prinzipielle Aufgaben von Psychotherapie abgeleitet  werden:  1. Erhöhung der Wahlfreiheit und Kontrolle über das eigenen Erleben und  Verhalten 2. Verbesserung der Fähigkeiten, die eigenen Bedürfnisse zu erfüllen 3. Verbesserung der Fähigkeiten, mit nicht erfüllten Bedürfnissen und  unveränderbaren Situationen so umzugehen, das unnötiges Leid  vermieden wird  Das therapeutische Vorgehen orientiert sich an den vier Wirkfaktoren der  Psychotherapie nach Grawe (1994):  Ressourcenaktivierung  Problemaktualisierung  Motivationale Klärung Problembewältigung  Es werden Meta-Modelle vermittelt, die den Menschen helfen, sich selbst  besser zu verstehen und sich zu befähigen, ihre emotionalen Probleme  nachhaltig zu bewältigen: Beispielsweise klare Unterscheidung von Emotionen  und Gedanken, Modelle vom Entstehen von Emotionen und psychosomatischen  Störungen, Problemlösestrategien, motionale Kompetenz (Grundbedürfnisse  des Menschen, Funktion der Emotionon und die emotionalen Problemfelder),  rationale Denk- und Handlungsweisen, Klärung von lebensphilosophischen  Fragen (Wert des Menschen, Sinn des Lebens, persönliche Lebensziele,  Umgang mit Machtlosigkeit, Verlusten, Tod und Leid, etc.), langfristige  Störungsbewältigungsstrategien etc. Übergeordnete Absicht ist, Menschenzu  befähigen, unnötiges Leid zu minimieren und ein zufriedenes und erfülltes  Leben zu leben. Das geht über die Behandlung von psychischen Störungen  weit hinaus. Die durchgehend angewendete Gesprächsführung ist der so genannte  Sokratische Dialog, der neue Sichtweisen so erarbeitet, dass die KlientInnen  aus sich selbst heraus zu umfassenden Einsichten kommen. Die Ergebnisse  und Erfolge gehören somit ihnen selbst. Dies geschieht in einem Klima der  grundsätzlichen Wertschätzung und Kompetenzorientierung. Langfristig wird  eine kognitive Umstrukturierung angestrebt, die sich in einem veränderten  emotionalen Erleben und Verhalten zum Ausdruck bringt. Neurobiologisch  wissen wir, dass neue Strukturen im Gehirn aufgebaut werden müssen, die die  alten ungünstigen Muster hemmen. Um diese hemmenden Strukturen  aufzubauen ist intensives und langfristiges Üben in der Veränderungsphase  notwendig.  Das Vorgehen ist standardisiert und wird für die KlientInnen entsprechend  individuell angepasst. Der Vorteil dabei ist, dass Leitfäden zur Verfügung  stehen, die kreativ im Dienste der Klientinnen eingesetzt werden können. Die  TherapeutInnen behalten dadurch den roten Faden im Auge und wissen  deshalb in der Regel, wo sie sich mit den Klienten im Therapieprozess  befinden.    
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